In vielen Fabriken entsteht der Plan für morgen jeden Nachmittag auf die gleiche Weise: eine Excel-Tabelle, ein paar Telefonate, eine Ferienliste und die Erfahrung von ein, zwei Personen, die wissen, wer welche Maschine bedienen kann. Das funktioniert — bis sich jemand krankmeldet, ein Eilauftrag hereinkommt oder genau die Person in die Ferien geht, die weiss, wie alles zusammenpasst.
KI kann den Planerinnen und Planern einen grossen Teil dieser Arbeit abnehmen. Nicht, indem sie sie ersetzt, sondern indem sie das Puzzle löst und ihnen die Entscheidungen überlässt. Dieser Beitrag zeigt, wie das in der Praxis aussieht, welche Daten es braucht und wie Sie klein anfangen.
Warum manuelle Planung an ihre Grenzen stösst
Ein guter Plan muss viele Bedingungen gleichzeitig erfüllen. Jede für sich ist einfach; zusammen werden sie schnell mehr, als jemand im Kopf behalten kann:
- Qualifikationen: Nicht alle dürfen jede Maschine bedienen. Schulungen, Zertifizierungen und Erfahrung unterscheiden sich von Person zu Person.
- Verfügbarkeit: Ferien, Teilzeit, Krankheitsausfälle, Schichtwünsche und Ruhezeiten zwischen den Schichten.
- Kapazitäten: Maschinen und Linien haben unterschiedliche Leistung, geplante Wartungen und ungeplante Stillstände.
- Aufträge: Liefertermine, Prioritäten und Rüstzeiten bestimmen, was wann laufen muss.
Das Ergebnis sind Pläne, die funktionieren, aber selten gut sind: Überstunden, um Lücken zu schliessen, stillstehende Maschinen, weil die richtige Person fehlt, und jeden Tag Stunden an Planungszeit.
Was KI tatsächlich leistet — und was nicht
Ein KI-gestütztes Planungssystem lernt aus Ihren historischen Schicht- und Produktionsdaten, wie Ihr Betrieb funktioniert, und kombiniert das mit der aktuellen Situation. Daraus erstellt der Optimierer einen Plan, der die genannten Bedingungen erfüllt und zum Beispiel Überstunden tief hält oder Liefertermine zuverlässig einhält.
Was es nicht tut: selbst entscheiden. Der Planer erhält einen Vorschlag, sieht, wo Konflikte entstehen würden, passt an, was nur ein Mensch wissen kann — eine Zusage an einen Mitarbeiter, eine informelle Absprache — und gibt den Plan frei. Fällt jemand kurzfristig aus, schlägt das System innert Sekunden einen neuen Plan vor, statt dass wieder bei null begonnen werden muss.
Der entscheidende Punkt: Ein Plan ist nur so gut wie die Akzeptanz der Menschen, die mit ihm arbeiten. Nachvollziehbare und anpassbare Vorschläge sind mehr wert als eine vermeintlich perfekte Blackbox.
Welche Daten Sie brauchen
Für den Start brauchen Sie keinen Data Lake. Vier Dinge genügen, und die meisten Unternehmen haben sie bereits irgendwo:
- Qualifikationsmatrix: Wer ist für welche Maschine oder welchen Arbeitsplatz qualifiziert — oft eine bestehende Excel-Tabelle.
- Schichtmodell und Verfügbarkeiten: Schichtzeiten, Arbeitszeitmodelle, Ferien und Abwesenheiten, zum Beispiel aus der Zeiterfassung.
- Maschinen und Linien: Kapazitäten, geplante Wartungen und, falls vorhanden, der aktuelle Maschinenzustand.
- Aufträge und Liefertermine: Aus dem ERP- oder PPS-System.
In der Praxis ist die Qualifikationsmatrix meist der grösste Aufwand: Sie ist oft unvollständig oder veraltet. Sie zu bereinigen lohnt sich doppelt, denn dabei zeigt sich auch, wo Schulungsbedarf besteht.
Aus der Praxis: ein Automobilzulieferer mit drei Linien
Ein mittelständischer Automobilzulieferer wendete täglich mehrere Stunden für die manuelle Schichtplanung von drei Produktionslinien auf. Ferienspitzen, Qualifikationsprofile und Maschinenkapazitäten mussten händisch koordiniert werden.
RALUS entwickelte ein Planungssystem, das historische Schichtdaten, Qualifikationsprofile und Maschinenzustände kombiniert. Das Modell schlägt täglich einen optimierten Schichtplan vor, den der Planer in Minuten statt Stunden prüft. Nach sechs Wochen Rollout war das System vollständig in den Tagesablauf integriert: Der Planungsaufwand sank um 50%, Überstunden durch schlechte Besetzung um 31%.
So starten Sie ohne Grossprojekt
- 1Einen Bereich wählen: Beginnen Sie mit einer Linie oder einer Abteilung, in der die Planung besonders aufwendig ist.
- 2Daten zusammentragen: Führen Sie Qualifikationsmatrix, Schichtmodell, Kapazitäten und Aufträge für diesen Bereich zusammen.
- 3Parallel planen: Während zwei bis vier Wochen schlägt das System Pläne parallel zur manuellen Planung vor. Die Planer vergleichen und geben Rückmeldung.
- 4Messen: Erfassen Sie Planungszeit, Überstunden und Schichtabdeckung vorher und nachher — und entscheiden Sie dann über die nächsten Bereiche.
Typische Stolpersteine
- Veraltete Qualifikationen: Stimmt die Matrix nicht, stimmt der Plan nicht. Legen Sie fest, wer sie aktuell hält.
- Regeln, die niemand aufgeschrieben hat: Viele Regeln existieren nur in den Köpfen der Planer. Sammeln Sie sie in der Parallelphase.
- Menschen aussen vor lassen: Beziehen Sie Planer, Teamleiter und Personalvertretung frühzeitig ein. Ein Plan, dem die Menschen vertrauen, wird auch genutzt.
Fazit
KI lässt die Produktionsplanung nicht verschwinden, aber sie verändert sie: vom täglichen Puzzle zum Prüfen und Entscheiden. Unternehmen, die mit einem Bereich, sauberen Daten und ihren Planern an Bord starten, sehen innert weniger Wochen Ergebnisse.
Möchten Sie sehen, wie das mit Ihren Daten aussieht? Fordern Sie eine Demo des Produktionsplaners an.